ADHS oder Autismus: Gemeinsamkeiten & Unterschiede (2024)

Stell dir vor, du stehst vor einem Obststand und siehst zwei Früchte: einen Apfel und eine Orange. Beide sind Früchte, beide sind nahrhaft, aber sie sind grundverschieden in Geschmack, Textur und Nährstoffgehalt. Ähnlich verhält es sich mit ADHS und Autismus. Beides sind neurologische Zustände, aber sie unterscheiden sich in vielen Aspekten, von den Symptomen bis zur Behandlung.

In diesem Artikel tauchen wir tief in die Welt von ADHS und Autismus ein. Wir werden die Symptome beider Zustände erörtern, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergleichen und untersuchen, ob es einen Zusammenhang zwischen ihnen gibt. Ziel ist es, dir ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Themen zu vermitteln, gestützt auf aktuelle Forschung und Studien.

Zusammenfassung:

  • ADHS und Autismus sind neurologische Entwicklungsstörungen mit einigen überschneidenden Symptomen wie Impulsivität und sozialen Herausforderungen.
  • Trotz der Gemeinsamkeiten gibt es signifikante Unterschiede in den Symptomen und den zugrunde liegenden Ursachen beider Zustände.
  • Es ist möglich, sowohl ADHS als auch Autismus zu haben, und aktuelle Forschungen deuten darauf hin, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten.

ADHS oder Autismus

ADHS und Autismus sind Begriffe, die oft in den Medien, in Schulen und in Gesundheitseinrichtungen diskutiert werden. Aber was bedeuten sie wirklich? ADHS (“Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung”) und Autismus gelten laut ICD-11 als neurologische Entwicklungsstörungen.

Statistisch gesehen sind beide Zustände weit verbreitet. Etwa 5% der Kinder und 2,5% der Erwachsenen sind von ADHS betroffen, während Autismus bei etwa 1 von 160 Kindern auftritt.

In den USA weist das Centers for Disease Control and Prevention (CDC) darauf hin, dass etwa 14% der Kinder mit ADHS auch eine Autismus-Diagnose haben. In Deutschland sind ähnliche Trends zu beobachten, auch wenn die genauen Zahlen variieren können.

Doch trotz ihrer Prävalenz sind sie oft missverstanden, was zu Stigmatisierung und Vorurteilen führen kann.

ADHS: Symptome

ADHS ist wie ein ständiger Wirbelwind im Kopf, der es schwer macht, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Die Symptome können in drei Hauptkategorien unterteilt werden:

ADHS
  1. Aufmerksamkeitsdefizit: Schwierigkeiten, sich auf Aufgaben zu konzentrieren, leicht ablenkbar zu sein und oft Dinge zu vergessen, sind charakteristisch.
  2. Hyperaktivität: Ein ständiges Bedürfnis, sich zu bewegen. Das kann sich durch Zappeln, Herumlaufen und die Unfähigkeit, ruhig zu sitzen, äußern.
  3. Impulsivität: Schnelle Entscheidungen ohne Nachdenken, Unterbrechen von Gesprächen und mangelnde Selbstkontrolle sind häufige Anzeichen.

Es ist wichtig zu betonen, dass nicht alle Menschen mit ADHS alle diese Symptome zeigen. Die Ausprägung kann von Person zu Person variieren und sich im Laufe des Lebens ändern.

Autismus: Symptome

Autismus ist wie ein einzigartiges Betriebssystem für das Gehirn, das die Welt auf eine ganz besondere Weise interpretiert. Die Symptome sind vielfältig und können sich in verschiedenen Lebensbereichen zeigen:

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Negative Glaubenssätze überwinden
  1. Soziale Interaktion: Menschen mit Autismus haben oft Schwierigkeiten, soziale Signale zu deuten. Das kann sich durch mangelnden Augenkontakt, Schwierigkeiten beim Aufbau von Freundschaften oder das Fehlen von Interesse an gemeinsamen Aktivitäten äußern.
  2. Kommunikation: Sprachliche und nonverbale Kommunikation kann eine Herausforderung sein. Einige Menschen mit Autismus sprechen gar nicht, während andere sehr wortgewandt sein können, aber Schwierigkeiten haben, Ironie oder Humor zu verstehen.
  3. Wiederholende Verhaltensweisen: Routinen und Rituale sind oft sehr wichtig. Veränderungen im Alltag können Stress und Unbehagen auslösen.
  4. Sensorische Empfindlichkeiten: Viele Menschen mit Autismus sind besonders empfindlich gegenüber sensorischen Reizen wie Licht, Geräuschen oder bestimmten Texturen.

Es ist wichtig zu wissen, dass Autismus ein Spektrum ist. Das bedeutet, dass die Symptome von Person zu Person unterschiedlich sein können und sich im Laufe des Lebens verändern können.

ADHS oder Autismus: Vergleich

Gemeinsamkeiten

  1. Impulsivität: Bei beiden Zuständen kann es vorkommen, dass die Betroffenen plötzlich aufspringen oder Gespräche unterbrechen, oft ohne vorher darüber nachzudenken.
  2. Konzentrationsprobleme: Menschen mit ADHS werden oft von äußeren Reizen abgelenkt, während Menschen mit Autismus in ihren eigenen Gedanken versinken können, was die Konzentration auf die Außenwelt erschwert.
  3. Exekutive Funktionen: Sowohl ADHS als auch Autismus können die Fähigkeit beeinträchtigen, Aufgaben zu planen, zu organisieren und durchzuführen, was den Alltag kompliziert machen kann.
  4. Soziale Herausforderungen: Bei beiden Zuständen kann es schwierig sein, Freundschaften zu schließen oder soziale Hinweise zu verstehen, was zu Isolation führen kann.
  5. Lernunterschiede und -schwierigkeiten: Menschen mit ADHS oder Autismus haben oft besondere pädagogische Bedürfnisse und können von individuellen Lernplänen profitieren.
  6. Sensorische Herausforderungen: Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Berührungen kann bei beiden Zuständen auftreten und den Alltag beeinträchtigen.
  7. Emotionale Reife: Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen wie Wut und Frustration sind bei beiden Zuständen keine Seltenheit und können das soziale Umfeld belasten.

Unterschiede

  1. Ursache der sozialen Herausforderungen: Bei Autismus können soziale Schwierigkeiten aus einem Mangel an imitativer Sprache oder Körpersprache resultieren. Bei ADHS können sie jedoch aus Impulsivität oder der Unfähigkeit, sich an Gruppenerwartungen anzupassen, entstehen.
  2. Kommunikation: Während Autismus die Sprachentwicklung beeinträchtigen kann, ist dies bei ADHS in der Regel nicht der Fall. Menschen mit Autismus können ganz stumm sein oder eine sehr spezielle Sprache verwenden.
  3. Wiederholende Verhaltensweisen: Menschen mit Autismus neigen zu Ritualen und strikten Routinen, die ihnen Sicherheit geben. Dies ist bei ADHS weniger ausgeprägt.
  4. Aufmerksamkeitsfokus: Bei ADHS ist die Aufmerksamkeit oft flüchtig und springt von einer Sache zur nächsten. Bei Autismus kann die Aufmerksamkeit jedoch intensiv und auf ein spezielles Interesse gerichtet sein.
  5. Reaktion auf Veränderungen: Menschen mit Autismus finden Veränderungen oft stressig und unangenehm, während Menschen mit ADHS flexibler sein können und Veränderungen nicht unbedingt als belastend empfinden.

ADHS oder Autismus: Gibt es einen Zusammenhang?

Die Frage, ob ADHS und Autismus miteinander verknüpft sind, ist wie das Lösen eines komplexen Puzzles: Die Teile scheinen zusammenzupassen, aber das Gesamtbild ist noch unklar. Bis 2013 war es nach den Richtlinien der American Psychological Association (APA) nicht möglich, eine Doppeldiagnose zu stellen. Das hat dazu geführt, dass es nur wenig Forschung gibt, die beide Zustände gemeinsam untersucht.

Aktuelle Erkenntnisse:

Heute erkennen Mediziner jedoch an, dass viele Kinder die Kriterien für beide Zustände erfüllen. In den USA schätzt das Centers for Disease Control and Prevention (CDC), dass etwa 14% der Kinder mit ADHS auch Autismus haben. Andere Studien gehen sogar von 15–25% aus. In Deutschland sind ähnliche Trends zu beobachten, auch wenn genaue Zahlen variieren können.

Genetische Faktoren:

Während die genauen Ursachen für ADHS und Autismus noch nicht vollständig verstanden sind, deuten einige Studien darauf hin, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Forschung in diesem Bereich noch in den Kinderschuhen steckt.

Gemeinsame Symptome:

Die Überschneidung der Symptome beider Zustände, wie Impulsivität oder Schwierigkeiten bei der sozialen Interaktion, lässt vermuten, dass es einen Zusammenhang geben könnte. Aber dieser ist noch nicht eindeutig belegt.

Abschlusswort von Mentalwohl

Das Verstehen von ADHS und Autismus ist wie das Entschlüsseln einer komplexen Sprache: Je mehr wir lernen, desto mehr erkennen wir, wie viel es noch zu entdecken gibt. Wenn du oder jemand, den du kennst, mit einer dieser Diagnosen konfrontiert ist, sei unbedingt offen für Wissen und Unterstützung. Jeder Mensch ist einzigartig, und das gilt auch für die Art und Weise, wie diese Zustände sich äußern können. Es gibt keinen “richtigen” oder “falschen” Weg, mit ADHS oder Autismus umzugehen, nur Wege, die für dich oder deine Lieben am besten funktionieren. Also, sei mutig, sei neugierig und vor allem: Sei du selbst.

Häufig gestellte Fragen

  • Kann man gleichzeitig ADHS und Autismus haben?

    Ja, es ist möglich, beide Diagnosen zu haben. Früher war es nach den APA-Richtlinien nicht zulässig, aber seit 2013 hat sich das geändert. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 14–25% der Kinder mit ADHS auch Autismus haben könnten.

  • Wie unterscheiden sich die Behandlungsmöglichkeiten für ADHS und Autismus?

    Während es einige Überschneidungen in den Behandlungsansätzen gibt, wie zum Beispiel Verhaltenstherapie, sind die Medikamente oft unterschiedlich. Stimulanzien, die häufig zur Behandlung von ADHS verwendet werden, sind nicht immer wirksam bei Autismus. Es ist wichtig, einen individuellen Behandlungsplan mit einem Facharzt zu erstellen.

  • Gibt es einen genetischen Zusammenhang zwischen ADHS und Autismus?

    Die Forschung in diesem Bereich ist noch nicht abschließend, aber es gibt Hinweise darauf, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten. Beide Zustände haben eine gewisse familiäre Häufung, was auf eine genetische Komponente hindeuten könnte.


Quellen

  1. Leitner, Y. (2014). The co-occurrence of autism and attention deficit hyperactivity disorder in children — what do we know?
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4010758/
  2. Levy, S. E., et al. Autism spectrum disorder and co-occurring developmental, psychiatric, and medical conditions among children in multiple populations of the United States.
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20431403
  3. Ramtekkar, U. P. (2017). DSM-5 changes in attention deficit hyperactivity disorder and autism spectrum disorder: Implications for comorbid sleep issues.
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5575584/