Narzissmus: Symptome – 6 Merkmale, an denen man es erkennt

von | Jun.2021 | Persönlichkeitsstörung

Narzissmus Symptome: Mann guckt narzisstisch in Spiegel

Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung werden typischerweise als arrogant, eingebildet, egozentrisch und hochmütig beschrieben. Weil sie sich anderen überlegen fühlen, besitzen sie oft Statussymbole, die einen erfolgreichen Lebensstil widerspiegeln.

Trotz ihres übertriebenen Selbstbildes sind sie auf ständiges Lob und Aufmerksamkeit angewiesen, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Infolgedessen reagieren Personen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung in der Regel sehr empfindlich auf Kritik, da sie es oft als persönlichen Angriff ansehen.

Narzissmus wird immer noch erforscht, da viele Narzissten und Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung keine Behandlung suchen. Es gibt jedoch einige gemeinsame Merkmale von Menschen mit narzisstischem Verhalten, die Sie kennen sollten. Einige der Symptome sind Folgende (1).

Brauchen Sie zunächst einen Überblick? Lesen Sie als Erstes: Was ist Narzissmus?

Was ist Narzissmus? 6 Mythen

Narzissmus: Symptome und Anzeichen

Überlegenheitsgefühl 

Ein häufiges Anzeichen von Menschen mit Narzissmus ist der Glaube, dass sie anderen überlegen sind und eine Sonderbehandlung verdienen. Sie denken, dass andere ihren Wünschen gehorchen sollten und dass die Regeln für sie nicht gelten („Da ich etwas Besonderes bin, verdiene ich besondere Regeln“,  „Ich stehe über den Regeln“ etc.).

Narzissmus Symptome Narzissten
Narzissmus: Symptome und Merkmale eines Narzissten

Außerdem glauben sie wirklich, dass sie bekommen sollten, was immer sie wollen. Sie erwarten auch, dass ihre Mitmenschen jeden Wunsch und jede Laune automatisch erfüllen. Daran bemessen sie auch den Wert ihrer Mitmenschen: Wenn sie nicht alle Bedürfnisse vorhersehen und erfüllen können, sind sie nutzlos. Und diejenigen, die sich ihrem Willen widersetzen oder „egoistisch“ eine Gegenleistung verlangen, stoßen sehr wahrscheinlich auf Aggression, Empörung oder eine kalte Schulter an (2).

Bedürfnis nach Bewunderung

Eines der häufigsten Anzeichen eines Narzissten ist das ständige Bedürfnis nach Lob oder Bewunderung. Menschen mit diesem Verhalten müssen sich von anderen bestätigt fühlen und prahlen oder übertreiben oft mit ihren Leistungen, um Anerkennung zu erhalten. Sie mögen es auch, sich geschätzt zu fühlen, um ihr Ego zu stärken.

Das Überlegenheitsgefühl eines Narzissten ist wie ein Ballon, der allmählich an Luft verliert und nur durch einen stetigen Applaus und Anerkennung aufgeblasen wird. Dabei reichen gelegentliche Komplimente nicht aus.

Narzissten brauchen ständig Nahrung für ihr Ego, also umgeben sie sich mit Menschen, die bereit sind, ihr obsessives Verlangen nach Bestätigung zu befriedigen. Diese Beziehungen sind sehr einseitig. Es geht darum, was der Bewunderer für den Narzissten tun kann, niemals umgekehrt. Und wenn die Aufmerksamkeit und das Lob des Bewunderers jemals unterbrochen oder verringert werden, behandelt der Narzisst diesen als Verräter (2).

Mangel an Empathie

Mangelnde Empathie ist ein weiteres Merkmal von Narzissmus. Dies bedeutet, dass der Narzisst nicht in der Lage ist, sich in die Bedürfnisse, Wünsche oder Gefühle anderer Menschen einzufühlen. Dies erschwert es ihm auch, Verantwortung für sein eigenes Verhalten zu übernehmen.

Narzissten entwickeln fast nie die Fähigkeit, sich mit den Gefühlen anderer zu identifizieren oder sich in die Lage anderer zu versetzen. In vielerlei Hinsicht betrachten sie die Menschen in ihrem Leben als Objekte, welche lediglich dazu da sind, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

Infolgedessen nutzen sie oft andere aus, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Manchmal ist diese zwischenmenschliche Ausbeutung absichtlicher und bösartiger Natur, aber oft wird sie einfach von den Betroffenen nicht als solche wahrgenommen (2).

Manipulatives und arrogantes Verhalten

Ein weiteres Merkmal von Narzissmus ist manipulatives oder kontrollierendes Verhalten. Ein Narzisst wird zuerst versuchen, Ihnen zu gefallen und Sie zu beeindrucken, aber irgendwann stellen Sie fest, dass dieser seine eigenen Bedürfnisse stets an erster Stelle stellt.

Daher können sie unhöflich oder beleidigend werden, wenn sie nicht die Behandlung erhalten, die sie ihrer Meinung nach verdienen. Während sie sich für überlegen halten, behandeln sie diejenigen, die sie für minderwertig erachten, mit Unhöflichkeit und Arroganz.

Im Umgang mit anderen Menschen versuchen Narzissten, die Menschen auf Distanz zu halten, um die Kontrolle zu behalten. Sie können sogar andere ausnutzen, um etwas für sich selbst zu gewinnen.

Narzissten denken einfach nicht darüber nach, wie ihr Verhalten andere beeinflusst. Auch wenn sie darauf hingewiesen werden, begreifen sie es immer noch nicht wirklich. Das Einzige, was sie verstehen, sind ihre eigenen Bedürfnisse (2).

Erniedrigung ihrer Mitmenschen

Narzissten fühlen sich von Personen bedroht, die etwas zu haben scheinen, das ihnen selbst fehlt – insbesondere von denjenigen, die selbstbewusst und beliebt sind. Sie fühlen sich auch von Menschen bedroht, die sie in irgendeiner Weise herausfordern und mit sich selbst im Reinen sind.

Diesen Menschen begegnen Narzissten oft mit einem schädlichen Abwehrmechanismus, wie Verachtung. Der einzige Weg, die Bedrohung zu neutralisieren und ihr eigenes schwaches Ego zu stützen, besteht darin, diese Leute niederzumachen.

Mit ihrer Herablassung wollen sie zeigen, wie wenig der andere Mensch ihnen bedeutet. Oder sie greifen mit Beleidigungen, Beschimpfungen, Mobbing und Drohungen an, um die andere Person zurückschrecken (2).

Fantasiewelt, die den Größenwahn unterstützt

Da die Realität ihr grandioses Selbstbild meist nicht unterstützt, leben Narzissten in einer Fantasiewelt, die von Verzerrung, Selbsttäuschung und magischem Denken gestützt wird.

Sie spinnen selbstverherrlichende Fantasien von unbegrenztem Erfolg, Macht, Attraktivität und idealer Liebe, die ihnen ein Gefühl von Einzigartigkeit und Kontrolle vermitteln. Diese Fantasien schützen sie vor Gefühlen innerer Leere und Scham, sodass Fakten und Meinungen, die ihnen widersprechen, ignoriert oder wegrationalisiert werden.

Alles, was die Fantasie-Blase zu platzen droht, wird mit extremer Abwehr und sogar Wut begegnet. Dadurch lernt die soziale Umwelt, mit den Realitätsverleugnungen des Narzissten vorsichtig umzugehen (2).

Narzissmus vs. narzisstische Persönlichkeitsstörung 

Narzissmus ist ein Begriff, der häufig verwendet wird, um diejenigen zu beschreiben, die mehr mit sich selbst als mit anderen beschäftigt zu sein scheinen (3). Aber nicht alle Menschen mit diesen Merkmalen haben eine Persönlichkeitsstörung.

Während narzisstische Züge bzw. Merkmale manchmal, wie zum Beispiel während der Adoleszenz, üblich sein können, bedeutet dies nicht unbedingt, dass Menschen eine narzisstische Persönlichkeitsstörung gemäß der DSM-5 entwickeln.

Narzissmus vs. Selbstliebe

Oft werden Narzissmus und Selbstliebe über ein und denselben Kamm geschert. Dabei sollten beide Begriffe voneinander klar abgegrenzt werden.

Sich selbst gegenüber Liebe zu zeigen und mitfühlend mit all seinen eigenen Stärken und Schwächen zu sein ist gesund und nicht pathologisch-narzisstisch. Denn wenn Sie zu emotionaler Intimität, Mitgefühl und selbstloser Sorge um andere fähig sind, ist Selbstliebe förderlich.

Wenn wir uns oder unsere Bedürfnisse über andere stellen, besteht die Gefahr, eine narzisstische Persönlichkeitsstörung zu entwickeln. Der Grat ist jedoch schmal. Solange Selbstliebe praktiziert wird, indem wir für andere und für uns selbst das Richtige tun, entspricht es einem gesunden Maß.

Lesen Sie als Nächstes: Typen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Häufig gestellte Fragen



Kann man eine narzisstische Persönlichkeitsstörung heilen?

Leider gibt es keine Heilung für Patienten mit dieser Diagnose, aber eine Therapie kann hier – wie bei vielen Krankheiten bzw. Störungen – wirklich hilfreich sein.

Dabei setzen Therapeuten mit ihren Patienten meist das Ziel, das instabile Selbstwertgefühl der Person aufzubauen und realistischere Erwartungen anderen gegenüber zu entwickeln. Die Behandlung konzentriert sich in der Regel auf eine Gesprächstherapie.

Wenn Patienten unbehandelt bleiben, werden Personen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung wahrscheinlich persönliche und berufliche Schwierigkeiten erleben und sich ständig enttäuscht und frustriert über ihr Leben fühlen.


Wie verhält sich ein Narzisst in einer Beziehung?

Narzisstische Partner:innen tun oft so, als hätten sie immer recht und vermitteln ihrem Partner:in oft das Gefühl, falsch oder inkompetent zu sein. Dies führt oft dazu, dass die andere Person in der Beziehung entweder wütend ist und versucht, sich zu verteidigen, oder sich mit diesem negativen Selbstbild identifiziert und sich schlecht über sich selbst fühlt.

Narzissten wollen ihren eigenen Weg gehen. Sie neigen dazu, kontrollierend und unflexibel zu sein. Es kommt Narzissten zugute, Partner:innen zu haben, die bereit sind, sich unterzuordnen und sich nicht zu widersetzen.

Wie verhält sich ein Narzisst im Streit?

Oft sind Narzissten, die in einen Streit geraten, sehr wütend. Die Wut eines Narzissten reicht von der direkten Konfrontation mit Beschimpfungen und verletzenden Beleidigungen bis hin zu kalkulierten, emotional-distanzierten Reaktionen wie dem stundenlangen Schweigen gegenüber dem Gesprächspartner:in. Sie zeigen einem dabei die kalte Schulter oder suchen schnell nach einem „Ersatz“.

Zu den weiteren Methoden eines Narzissten im Streit gehören Provokation, Mobbing und Einschüchterung. Dabei kann es vorkommen, dass der Narzisst einen anschreit, übermäßig emotional missbraucht, willentlich verletzt, offen anlügt, droht oder sogar körperlich angreift.


Narzissmus: Merkmale – Wie erkenne ich, ob ich ein Narzisst bin?

Hier sind 20 typische Merkmale, an denen man erkennen kann, dass man ein Narzisst ist:

1. Übermäßiges Gefühl der Überlegenheit und Drang nach Sonderbehandlung
2. Übermäßiges Bedürfnis nach ständigem Lob und Bewunderung
3. Perfektionismus
4. Mangel an Empathie
5. Bedürfnis nach Kontrolle
6. Leicht zu provozieren
7. Extrem egoistisch
8. Unfähig, mit Kritik, wahrgenommenen Kränkungen oder Meinungsverschiedenheiten umzugehen
9. Überempfindlich, defensiv und ängstlich
10. Geben sich nicht mit weniger zufrieden
11. Umgeben sich mit Menschen, die einen ständig bewundern
12. Erwarten, dass jeder Ihren Wünschen und Launen nachkommt
13. Beuten andere ohne Schuld oder Scham aus
14. Nutzen andere Menschen unfair aus
15. Erniedrigen andere häufig
16. Lassen sich von anderen einschüchtern, die sie für stärker halten als sie selbst
17. Fantasieren oft über Macht, Brillanz, Schönheit und ideale Liebe
18. Ignorieren Fakten und Meinungen, die den eigenen widersprechen
19. Weigern sich, ihr Verhalten zu ändern, egal wie viel Chaos es in ihrem Leben anrichtet
20. Geben anderen die Schuld für ihr Verhalten

Abschlusswort von Mentalwohl

Narzissten bewegen sich oft auf einem Kontinuum zwischen „grandios“ und „vulnerabel“. Ihr Selbstbild ist durch eine gewisse Instabilität geprägt und bedarf viel psychosozialen Input, um es aufrechtzuerhalten.

Narzissmus kann dabei leicht oder stark ausgeprägt sein. In leichter Form kann ein narzisstischer Stil auch als Ressource dienen. Als stark ausgeprägte Störung stellt diese oft eine Belastung dar.

So können extrem leistungsorientiertes und manipulatives Verhalten hohe Kosten haben: zwischenmenschliche Probleme, psychosomatische Störungen (vor allem Herz-Kreislauf-Probleme), „Burnout“, chronische Unzufriedenheit etc.

Wenn Sie oder eine nahestehende Person an den vorliegenden Symptomen leiden, empfiehlt es sich professionelle Hilfe aufzusuchen. Denn auch hier gilt: Mit einer individuell zugeschnittenen Behandlung haben Sie deutlich bessere Aussichten und eine höhere Lebensqualität.

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Quellenverzeichnis

  1. Cleveland Clinic (2002). Narcissistic personality disorder. 
  2. Baskin-Sommers, A., Krusemark, E., & Ronningstam, E. (2014). Empathy in narcissistic personality disorder: from clinical and empirical perspectivesPersonality Disorders: Theory, Research, and Treatment5(3), 323.
  3. Ronningstam, E. (2011). Narcissistic personality disorder: A clinical perspective. Journal of Psychiatric Practice®17(2), 89-99.

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